Die Freiherr-vom-Stein-Schule Immenhausen ist mit dem Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung 2026 ausgezeichnet worden. In der Kategorie „Schule“ überzeugte die kooperative Gesamtschule mit ihrer umfassenden KI-Strategie: Sie verbindet den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz mit MINT-Förderung, Bildungsgerechtigkeit und Berufsorientierung. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 2.500 Euro verbunden.
Der Preis würdigt herausragendes Engagement und beispielhafte Projekte in der frühkindlichen, schulischen, beruflichen und hochschulischen Bildung. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) vergibt ihn seit mehr als einem Vierteljahrhundert gemeinsam mit Unternehmen. Partner im Jahr 2026 ist die Deutsche Bahn AG.
KI verstehen, anwenden und kritisch prüfen
An der Freiherr-vom-Stein-Schule ist künstliche Intelligenz ein fester Bestandteil der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Das schulweite Konzept richtet sich an alle Bildungsgänge und verfolgt das Ziel der „KI-Mündigkeit“: Schülerinnen und Schüler sollen KI verstehen, sinnvoll nutzen und ihre Ergebnisse kritisch beurteilen können.
Den Einstieg bildet der „KI-Führerschein“. Er vermittelt Grundlagenwissen zu künstlicher Intelligenz, zum Formulieren geeigneter Eingaben – dem sogenannten Prompting –, zu Quellenkritik, Datenschutz, Deepfakes und ethischen Fragen. Die erworbenen Kompetenzen werden anschließend in den verschiedenen Unterrichtsfächern angewendet und vertieft. Eine KI-Sprechstunde bietet Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften zusätzliche Unterstützung.
Auch die Prüfungskultur wird weiterentwickelt: Lernprozesse, Reflexion und Transparenz erhalten stärkeres Gewicht. KI soll als Lernpartner dienen. Entscheidend bleibt, dass Schülerinnen und Schüler selbst denken, Ergebnisse überprüfen und den Einsatz der Technologie nachvollziehbar machen. Der Umgang mit sozialen Medien wird ebenfalls verbindlich im Unterricht behandelt.
Auszeichnung bestätigt die Arbeit des Kollegiums
Schulleiterin Dr. Tina Hoffmann-Deist sieht in dem Preis eine Bestätigung der engagierten Arbeit des gesamten Kollegiums. Erst kurz vor den Herbstferien hatten alle Lehrkräfte an einer ganztägigen KI-Fortbildung teilgenommen. Eine eigene Workshopreihe ergänzt die kontinuierliche Weiterbildung.
„Die Schulgemeinde geht diesen Weg gemeinsam, fächerübergreifend und mit hoher Motivation, die Chancen von KI zu nutzen und gleichzeitig die Gefahren und Risiken im Blick zu behalten“, erklärt Hoffmann-Deist.
Besonderer Dank gilt Sarah Kreutzer und dem Digitale-Welt-Team für den KI-Führerschein, die KI-Sprechstunde sowie die Einführung und Weiterentwicklung des Fachs „Digitale Welt“ in den Jahrgängen 5 bis 7. Die Berufswahlkoordinatorinnen Anuschka Lindberg und Heike Hopf sowie Berufswahlkoordinator Arndt Köhling leisten zudem seit vielen Jahren erfolgreiche Arbeit in der Berufsorientierung. Die mit dem Berufswahl-Siegel ausgezeichnete Schule setzt KI auch gezielt in der Berufsorientierung ein, um Jugendliche auf eine zunehmend von künstlicher Intelligenz geprägte Arbeitswelt vorzubereiten. Eltern und Kooperationspartner werden in die gemeinsame Reflexion über den Einsatz von KI einbezogen. Innovative Lernkonzepte und die Nutzung von Daten zur Weiterentwicklung der Schule ergänzen diesen systematischen Ansatz.
Bildungsminister Armin Schwarz gratuliert
Hessens Bildungsminister Armin Schwarz würdigt die Arbeit der Schulgemeinde: „Die Freiherr-vom-Stein-Schule zeigt, wie Schule im Zeitalter der künstlichen Intelligenz gelingen kann: mutig, mit klarem pädagogischem Kompass und mit dem Anspruch, alle Schülerinnen und Schüler mitzunehmen. Hier wird KI nicht als Abkürzung verstanden, sondern als Werkzeug, mit dem junge Menschen lernen, gute Fragen zu stellen, Ergebnisse kritisch zu prüfen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.“
Solche Kompetenzen bräuchten Kinder für eine Arbeitswelt, die sich rasant verändert. „Mein herzlicher Glückwunsch gilt dem Team und allen Schülerinnen und Schülern, die diesen Weg mit Neugier und Engagement gehen. Das passt zu unseren vielen neuen Vorhaben an hessischen Schulen zur Förderung von Zukunftskompetenzen der Schülerinnen und Schüler“, so Schwarz. Der Minister hatte sich bereits vor einigen Monaten bei einem Besuch in Immenhausen über die digitale Arbeit der Schule informiert.
Hessen wird vom Schuljahr 2027/2028 an schrittweise das Pflichtfach „KI und Digitale Welt“ an den weiterführenden Schulen einführen, beginnend in allen fünften Klassen. Damit übernimmt das Land bundesweit eine Vorreiterrolle.
Die Freiherr-vom-Stein-Schule bietet bereits seit 2024 den Schulversuch „Digitale Welt“ als Vorläufer des kommenden Pflichtfachs an. Die MINT-Förderung richtet sich ausdrücklich an alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig vom Bildungsgang. Im September 2026 wurde die Gesamtschule zudem als „MINT-freundliche Schule“ ausgezeichnet.
Arbeitgeberpräsident und Juryvorsitzender würdigen die Preisträger
Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger erklärt: „Was heute im Klassenzimmer mit einem klugen Prompt beginnt, kann morgen in der Werkshalle Abläufe verbessern, in der Forschung neue Lösungen ermöglichen oder den Grundstein für ein Unternehmen legen. Damit aus technischen Möglichkeiten persönliche Perspektiven und wirtschaftlicher Fortschritt werden, müssen wir KI-Kompetenz früh fördern.“ Junge Menschen bräuchten Wissen und Urteilskraft, um neue Technologien souverän, kreativ und verantwortungsvoll zu nutzen. Diese Fähigkeiten würden künftig in nahezu allen Berufen gefragt sein und zugleich Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit stärken. „Unsere Preisträger zeigen, wie das in der Praxis gelingt. Sie machen KI erfahrbar, wecken Neugier und verbinden Offenheit für Innovationen mit Verantwortung. Damit bereiten sie junge Menschen auf ihre Zukunft vor und geben wichtige Impulse für unser gesamtes Bildungssystem. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert würdigt der Deutsche Arbeitgeberpreis für Bildung solche Vorreiter“, so der BDA-Präsident.
Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Bahn AG und Juryvorsitzender, betont: „Unsere Preisträger zeigen, was KI-Kompetenz in der Praxis bedeutet: verstehen, anwenden, hinterfragen und gestalten. Eine gute Antwort der KI ist noch kein Lernerfolg. Entscheidend ist, dass Lernende selbst denken, Ergebnisse einordnen und Verantwortung für den Einsatz der Technologie übernehmen.“ Dafür schafften die ausgezeichneten Bildungseinrichtungen geeignete Lernräume und ermöglichten Lehrkräften, Neues verantwortungsvoll zu erproben.
Informationen zum Preis, zur Ausschreibung und zu den aktuellen Preisträgern:
www.arbeitgeberpreis-fuer-bildung.de




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