Die Freiherr-vom-Stein-Schule ist in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aufgenommen worden. Die Regionalkoordinatoren Per Hüsges und Filiz Elüstü überreichten Urkunde und Hinweisschild an Schulleiterin Dr. Tina Hoffmann-Deist. Die Schule habe nicht einfach nur eine weitere Plakette für die Wand bekommen. „Mit der Aufnahme ins Netzwerk sagen wir nicht, bei uns gibt es keine Probleme. Im Gegenteil. Wir sagen: Wir schauen hin. Wir sprechen darüber. Wir übernehmen Verantwortung dafür, wie wir miteinander lernen und leben wollen.“
Regierungspräsident Mark Weinmeister ist Pate
Regierungspräsident Mark Weinmeister hat die Patenschaft für die Gesamtschule Immenhausen übernommen. Er erinnerte an seinen erschossenen Vorgänger, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. In Erinnerung an diesen aufrechten Demokraten habe ich gerne die Patenschaft übernommen. Weinmeister ermutige die Schülerinnen und Schüler dazu Werte mit Leben zu füllen. Wo und wie immer er als Pate für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unterstützen könne, würde er dies tun. Aus seiner eigenen Schulzeit berichtete er, wie bereichernd es sei, neue Menschen kennenzulernen und Neuem offen gegenüber zu stehen, auch wenn es nicht immer leicht sei. „Als Regierungspräsidium Kassel setzen wir uns in besonderer Weise für das Miteinander in unserer Gesellschaft ein und treten Hass und Diskriminierung entschieden entgegen. Wir müssen als Gesellschaft Haltung zeigen und Werte vertreten. Unsere Schulen sind dabei ein unverzichtbarer Baustein, um demokratische Werte und Achtung vor unseren Mitmenschen zu lernen, zu leben und weiterzugeben.“ Er sei hocherfreut, dass die Schulgemeinschaft aktiv für Mitmenschlichkeit eintritt und Rassismus eine Absage erteilt. „Deshalb habe ich sehr gern die Patenschaft übernommen“, so Weinmeister.
Für den Landkreis Kassel dankte der Kreisbeigeordnete Christian Strube für das Engagement der Schule, die damit ein deutliches Zeichen für Respekt, Toleranz, Vielfalt und Menschlichkeit setze. Das jetzt an der Schule montierte Schild „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sei ein Versprechen. „Ein Versprechen, hinzuschauen, wenn andere wegschauen. Ein Versprechen, den Mund aufzumachen, wenn jemand beleidigt, ausgegrenzt oder diskriminiert wird. Und manchmal auch das Versprechen, sich vor jemand zu stellen, der gerade nicht stark genug ist, sich selbst zu wehren“, so Strube. Demokratie und ein respektvolles Zusammenleben würden eben nicht von allein funktionieren. Strube: „Sie funktionieren nur, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen.“ Deshalb hatte er eine klare Botschaft: „Bewahrt euch den Mut, eure eigene Meinung zu haben. Bewahrt euch die Neugier auf Menschen, die anders sind als ihr selbst. Und bewahrt euch vor allem die Courage, für andere einzustehen.“
Bürgermeister: „Flagge zeigen für demokratische Werte“
Bürgermeister Lars Obermann ging auf das Gedenken an den durch einen Rechtsradikalen erschossenen Walter Lübcke ein. Es gelte „Flagge für demokratische Werte, Menschenwürde und Integration“ zu zeigen. „Walter Lübcke an diesem Tag zu gedenken, heißt auch, eine starke Persönlichkeit für seine aufrechte, demokratische und meinungsstarke Haltung zu danken“, so der Bürgermeister von Immenhausen. Obermann betonte, dass er nicht müde werde zu wiederholen, was er schon bei der Schulentlassfeier gesagt habe: „In unserer Stadt, in unserem Land, ist kein Platz für Rechtsradikalismus.“ Er berichtete vom friedlichen Miteinander von 6.000 Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus 20 Nationen beim Zeltlager der letzten Woche in Immenhausen.
Für das Staatliche Schulamt Kassel Stadt und Land stellte Schulaufsichtsdezernent Klaus Sprafke heraus, wie sich die Schülerinnen und Schüler in einer Projektwoche auf die Netzwerkarbeit vorbereitet hätten. Er beglückwünschte die Schule zu diesem klaren Signal und richtigen Schritt. Gezeigt wurde ein selbstgedrehter Film, in dem Werte aufgezählt wurden, die die Schülerinnen und Schüler im Alltag beachten wollen. Hoffmann-Deist: „In unserem Projektvideo wurde deutlich, was wir nicht wollen: Hass, Diskriminierung, Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing. Wir wollen Respekt, Freundschaft, Mut, Toleranz und Wertschätzung.“
Verantwortung übernehmen
Bei Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, technischem Personal, und Schulleitung hatten bereits vor den Sommerferien in einer geheimen Abstimmung die notwendigen mehr als 70% der Selbstverpflichtung des Netzwerks zugestimmt. Die Selbstverpflichtung besagt, dass sie sich gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung einsetzen, bei Konflikten eingreifen und mit Projekten aktiv werden. Die Schulleiterin ging darauf ein, dass nicht alle Stimmberechtigten für die Aufnahme ins Netzwerk waren. „auch das gehört dazu, denn Courage zeigt sich nicht dort, wo ohnehin alle derselben Meinung sind“, so Dr. Tina Hoffmann-Deist. „Mut brauchen wir genau dann, wenn es unbequem wird. Wenn jemand einen verletzenden Spruch auf dem Schulhof macht und alle lachen. Wenn in einer Chatgruppe über jemanden hergezogen wird. Wenn ein Bild weitergeschickt wird, das im Netz nichts zu suchen hat. Wenn jemand keine Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt und sagt ‚war doch nur Spaß‘. Dann entscheidet sich, was unsre Werte wirklich wert sind“, stellte die Schulleiterin heraus.
Gerade an der Freiherr-vom-Stein-Schule, wo Digitalität und Selbstständigkeit eine große Rolle spielen, würde Verantwortung deshalb ernst genommen. Hoffmann-Deist: „Sie gilt auch im Chat. Beim Teilen von Bildern. Beim Kommentieren und Weiterleiten. Denn ein Klick kann jemanden unterstützen oder bloßstellen. Ein Kommentar kein Mut machen oder nachhaltig treffen.“ Das habe die Schule auf Initiative von Stefan Luttmann, dem Vorsitzenden des Fördervereins, dazu motiviert, dem Netzwerk beizutreten.
Nach der Aufnahmefeier der Schule in das Courage-Netzwerk macht jetzt ein Schild mit dem Logo am Schulgebäude die Mitgliedschaft öffentlich sichtbar. Dieses ist natürlich kein „Zauberstab“, durch den Diskriminierung verschwindet. „Vielmehr erinnert es täglich daran, dass diese nicht schulterzuckend hingenommen wird. Netzwerk-Schulen wollen Ideologien der Ungleichwertigkeit, wie Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Islamismus, Sexismus, Islamfeindlichkeit oder eben Rassismus besser erkennen, sich mit ihnen auseinandersetzen und ihnen effektiv entgegenwirken“, so die beiden Projektkoordinatorinnen Julia Sivis-Céranic und Nina Bringe. Ziel ist es, dauerhaft eine diskriminierungssensible Schulkultur zu etablieren.
Musikalisch wurde die Feier durch Nikita Sperling am Klavier sowie einen Chor des Jahrganges 6 gestaltet, den Carola Dettmar und Wojciech Zukowski einstudierten. Teilgenommen hatten außerdem die Mitglieder des „Schülerparlaments“ der Freiherr-vom-Stein-Schule.
HINERGRUND
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, heißt das von Aktion Courage e.V. verantwortete Netzwerk von schulischen und außerschulischen Akteuren. Es unterstützt Schulen dabei, sich für die Gleichwertigkeit aller Menschen einzusetzen. Mit rund 5.000 Netzwerkschulen, die von rund 3 Millionen jungen Menschen besucht werden, ist es das größte Präventionsnetzwerk gegen Ungleichwertigkeitsdenken in Deutschland. Neben den Courage-Schulen gehören eine Bundes-, 16 Landes- und 115 Regionalkoordinationen zum Courage-Netzwerk, die sie dauerhaft begleiten, motivieren und miteinander vernetzen. Dabei arbeiten sie bundesweit mit mehr als 374 außerschulischen Kooperationspartnern zusammen.
Foto: Carola Dettmar / Marcus Leitschuh





















Comments are closed